Rocker :: Was nicht tötet, härtet ab!
"Quelle:http://beatmeister.ch/Dokumente/Bikerknigge.htm"
In den späten Fünfzigern und frühen Sechzigern bezeichneten sich erstmals
englische Arbeiterjugendliche als 'Rockers' – das 's' ging im Deutschen
verloren. In den USA hingegen haben sich die Rocker schon immer 'Biker' genannt.
Zunächst wurde der Begriff von vielen Gruppen in Deutschland abgelehnt – das
änderte sich, als Rocker kriminalisiert und als bedrohliche Jugendformation
dargestellt wurden. Diejenigen, die als besonders gefährlich in Erscheinung
treten wollten, nannten sich Rocker.
In den 60er und 70er Jahren waren das vornehmlich Arbeiterjugendliche und junge
Leute aus dem dörflichen Bereich, die zumeist noch nicht motorisiert waren und 'Fußlatscher'
genannt wurden. Die Rocker grenzten sich klar ab von der Schüler- und
Studentenjugend, von '68ern und von FlowerPower. “Rocker sein” war auch ein
Reflex auf die vermeintlich feminisierte, verweichlichte Form des männlichen
Gebarens der 'Langhaarigen', die nicht dem Idealtypus von Männlichkeit
entsprach.
Bis heute wird ein gesellschaftlich nicht mehr aktzeptieres, antiquiertes
Männerbild fortgeführt. Die Rocker sind eine geschlossene Gesellschaft,
organisiert in einem sogenannten 'Motorrad Club' mit eigenen 'Colours' (Wappen),
festem Regelwerk und eindeutiger Hierarchie. Der Vorsitzende ist der 'Präsi',
die Führungskader werden 'Offiziere' genannt. Die Clubs hatten und haben zum
Teil auch die Vorstellung von einer Gegenökonomie: Rocker-sein nicht nur als
Lebensphilosophie, sondern auch als Teil einer ökonomischen Nischenkultur.
Heute kann im Grunde keiner mehr Rocker werden, weil die Anwartschaftszeiten so
lange sind. Die sogenannten 'Prospects', die Anwärter, müssen in vielen MCs drei
bis fünf Jahre Dienst in der Gruppe leisten – als 'Mädchen für alles' und am
Ende müssen alle im Club einstimmig über die Aufnahme entscheiden.
In Leder gekleidete, wilde Motorradbanden sorgen schon lange nicht mehr für
Angst und Schrecken. Die Rebellion der Rocker ist vorbei. Die Szene ist älter
und zurückhaltender geworden und widmet sich mehr dem Clubleben. Die Einstellung
aber bleibt ein Leben lang: Einmal Rocker, immer Rocker!