Ab 1. Jänner2012: Rettungsgasse auf Autobahnen Pflicht


Nach dem Jahreswechsel ist die Rettungsgasse auf Autobahnen Pflicht. Wie sie funktioniert und was sich für Autofahrer sonst noch ändert.

2012 wird die Bildung der Rettungsgasse auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen Pflicht. Bei stockendem Verkehr muss vorausschauend eine Fahrspur für Einsatzkräfte frei gemacht werden: Bei zweispurigen Fahrbahnen müssen die Lenker nach rechts oder links ausweichen und in der Mitte einen Fahrstreifen frei machen. Bei mehrspurigen Straßenabschnitten gilt, zwischen dem ganz linken und den danebenliegenden rechten Fahrstreifen Platz zu machen. Der Pannenstreifen darf dabei benützt werden.


Rettungsgasse: Richtig reagieren um zu funktionieren. "Die Rettungsgasse ist schnell gebildet und rasch erklärt", sagte Asfinag-Vorstand Alois Schedl. Die häufigste Frage von Autofahrern sei, wann genau eine Rettungsgasse gebildet werden müsse - nur bei einem Unfall oder bereits bei Überlastungsstau? "Die Rettungsgasse muss vorausschauend gebildet werden", betonte Schedl. Auch dann, wenn noch kein Einsatzfahrzeug in Sicht ist.

Das Behindern von Einsatzfahrzeugen wird mit bis zu 2.180 Euro geahndet. Es gibt keine Übergangsfristen, das Gesetz gilt ab 1.


Kuriositäten in der Rettungsgasse


Wer sie bildet, dem droht Führerscheinentzug: Bei der ab Sonntag gültigen Rettungsgasse ist vieles ungeklärt

Ab dem Jahreswechsel müssen Autofahrer die Rettungsgasse bilden. Doch wer sich daran hält, kann im Extremfall sogar seinen Führerschein verlieren. Auch sonst kommen derzeit fast täglich neue Merkwürdigkeiten ans Tageslicht: So dürfen Schneepflüge durch die ab Sonntag vorgeschriebene Rettungsgasse fahren, ausgebildete Sanitäter hingegen nicht. Einsatzfahrer befürchten ohnehin ein Chaos. Die sechs gröbsten Merkwürdigkeiten im Überblick:


Führerscheinentzug droht

Wer den Pannenstreifen befährt, dem droht eine Vormerkung. Bei drei Vormerkungen wird der Führerschein für drei Monate entzogen. Wer eine Rettungsgasse bildet, muss aber auch nach rechts auf den Pannenstreifen ausweichen. Im Gesetz steht, dass die Rettungsgasse bei stockendem Verkehr auf der Autobahn gebildet werden muss – dies wäre ein eindeutiges Befahren des Pannenstreifens. Wer die Rettungsgasse nicht bildet, dem drohen Geldstrafen bis 2180 Euro. Wer auf den Pannenstreifen ausweicht, der riskiert eine Vormerkung und ebenfalls eine Geldbuße bis 2180 Euro. "Das ist das Windige an dem neuen Gesetz", meint ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer zur Pannenstreifen-Problematik.

A 23 wird eine "Dauer-Rettungsgasse"

Die Rettungsgasse ist bereits bei stockendem Verkehr zu bilden, sagt das Gesetz. Laut Juristen kann dies bereits ab etwa 50 km/h der Fall sein. "Die A 23 ist somit fast immer eine Rettungsgasse", sagt Hoffer.

Rettungsgasse für Schneepflug

Kurios ist, wer die Rettungsgasse benutzen darf, nämlich – neben Einsatzfahrzeugen – Pannendienste und Fahrzeuge des Straßendienstes, also Schneepflüge. Nicht benützen dürfen die Rettungsgasse ausgebildete Sanitäter (sogenannte "First Responder"), Mautsheriffs oder Motorradfahrer.

Chaos droht

Schon jetzt klagen alle Einsatzfahrer darüber, dass die meisten Autofahrer chaotisch reagieren. Alle Einsatzfahrer rechnen mit Chaos, vor allem zu Beginn. Klaus Reindl ist ADAC-Sprecher und Feuerwehrmann in Bayern. Vom KURIER am Freitag zu seinen Erfahrungen befragt: "Gestern habe ich das erste Mal erlebt, dass eine Rettungsgasse bei uns perfekt funktioniert hat." Eingeführt wurde sie in Deutschland vor etwa 20 Jahren. Die in österreichischen Werbespots genannten vier Minuten Einsparung durch die Rettungsgasse sollen jedenfalls auf Erfahrungen in Deutschland beruhen, das wird dort aber angezweifelt. "Ein Auto, das den Weg versperrt, kostet eine Minute", meint Reindl. Egal, ob in der Rettungsgasse oder am Pannenstreifen.

Vorrangproblem

Einsatzfahrzeuge müssen die Rettungsgasse nicht benützen, sondern sollen den schnellsten Weg finden – dieser kann weiter via Pannenstreifen führen. Heiß diskutierte Frage unter Verkehrsjuristen: Wer hat Vorrang, wenn die Rettung über den Pannenstreifen und die Feuerwehr über die Rettungsgasse kommt?

Asfinag zahlt die Kampagne

Kommen neue Gesetze, dann wurden sie bisher immer vom Verkehrsministerium beworben. Die aktuelle, drei Millionen Euro teure Kampagne zahlt aber die Asfinag. Manche fürchten, Grund dafür sei, dass die Asfinag damit künftig Pannenstreifen einsparen kann. Asfinag-Vorstand Klaus Schierhackl hat dies aber bisher mehrfach dementiert.

 

Kaum jemand kennt sich aus


Gerade einmal 31,9 Prozent kreuzten in einer Oekonsult-Umfrage (1121 Befragte) richtig an, wann die Rettungsgasse gebildet werden muss, nämlich "bei stockendem Verkehr". Es ist weder ein Unfall noch ein Blaulichtfahrzeug notwendig. Zumindest drei Viertel wissen, was die Rettungsgasse ist ("eine frei bleibende Fahrspur auf Autobahnen und Schnellstraßen"). Jeder Dritte glaubt, dass die Gasse auf allen Straßen gebildet werden muss.

"Echte Sachkenntnis ist weniger gegeben, viele verlassen sich darauf, das zu tun, was die anderen machen", sagt Oekonsult-Chef Joshi Schillhab. Immerhin ein Drittel weiß nicht, bei welchen Fahrspuren die Rettungsgasse gebildet werden muss.